Talkshows aus der Jauchegrube

Medientraum 001 – Leuchte weit und breit

Ende September / Anfang Oktober, Sonntag abends nach dem Tatort in der ARD, BRD oder auf CRD,  eine politische Talkshow. Geladen sind ein Regierungsvertreter der CDU/CSU sowie jemand der FDP, rechtsaußen noch ein Publizist, sie sitzen rechts vom Moderator. Links gegenüber sitzt ihnen jemand von der SPD und da kein Grüner Zeit hatte, eben ein LINKRAT – ein Linker oder Pirat, ist eh egal. Dann ist noch ein sich für irgendwas engagierender Bürger geladen, OTTO NORMALVERBRAUCHER, von dem noch nie jemand etwas gehört hat, der sitzt aber nicht mit in der Runde, sondern im Publikum. Moderiert wird die Sendung von TOMMY BAUCH, möglicherweise in einer Sinnkrise befindlich.

BAUCH: Sehr verehrte Gäste, hier im Studio und Zuhause an den Bildschirmen, wie im Einspieler angekündigt wollen wir heute das Thema “Irgendwas mit Krise, Sparen und Verhältnisse – muss das sein?” diskutieren.

(…)

Nach 20 Minuten lässt sich das Gespräch wie folgt zusammenfassen:

CDU: Wir verstehen die Menschen, trotzdem ist unser Handeln alternativlos.

FDP: Netto Leistungsträger vor, brutto noch ein Tor!

SPD: Wir würden alles besser machen.

PUBLIZIST: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

LINKRAT: Demokratie und Internet (…)

Keinen Satz kann der linke Pirat ungestört zu Ende sprechen, da ihm entweder jemand von der FDP, CDU, der Publizist, oder Tommy Bauch selbst ins Wort fällt, ehe dies dem Gast der SPD gelungen wäre, der sichtlich darum bemüht war. Sein Gesichtsausdruck verrät, dass es ihm nicht passt mit dem LINKRAT auf der gleichen Seite, links vom Moderator sitzen zu müssen.

Nun ist es Zeit den engagierten Bürger um seine Meinung zu bitten. Dazu steht Bauch auf und geht zu einem am Rande des Publikums sitzenden Mann, der sein Gesicht in den Händen verborgen hat, und setzt sich neben ihn. Bauch fragt ihn nach seinem Redebeitrag, der Otto Normalverbraucher reagiert aber zunächst nicht. Dann hebt er sein Gesicht aus den Händen und sieht Bauch in die Augen, bis dieser nervös seinem Blick ausweicht.

BÜRGER: Was ist nur aus ihnen geworden?

BAUCH: Bitte?

BÜRGER: Vor 25 Jahren, als Sie noch im Radio moderiert haben, im Wechsel mit ihrem Kollegen, der den Schalk im Nacken hatte…

BAUCH: Ja, ja… das waren noch Zeiten. Können wir jetzt…

BÜRGER: Schämen Sie sich nicht?

BAUCH: Keine Gegenfragen bitte, wir wollten doch wissen, ob…

BÜRGER: Was denn?

BAUCH: Was wir besprochen hatten. Also in der Runde hier.

Der Bürger steht auf und geht in die Mitte der Gesprächsrunde.

BÜRGER: Besprochen? Das ist eine Unterhaltungssendung ohne Gespräche! Wenn Sie, Herr Bauch, auch nur im Ansatz an einer Klärung von Sachverhalten interessiert wären, hätten Sie schon den jeweils ersten Satz ihrer Gäste abwürgen müssen!

BAUCH: Setzen Sie sich bitte wieder hin!

Der Bürger nimmt auf Bauch’s Stuhl in der Gesprächsrunde Platz.

CDU: Ich habe nur gesagt, dass…

BAUCH: Das ist mein Stuhl! Hier sollen Sie sitzen.

BÜRGER (zum CDU-Gast): Gar nichts haben Sie gesagt! Viel geredet, ja, aber nichts gesagt! Sie lullen die Zuschauer ein und man hat überhaupt keinen Bock ihrem Gelaber auch nur eine Sekunde zuzuhören, weil es nur wiedergibt, was Ihnen Ihre armen Schweine von Medienberatern so mühsam antrainiert haben!

Der Gast der SPD nickt zustimmend. Der Bürger wendet sich ihm zu und steht dabei auf.

BÜRGER: Das gilt genauso für Sie, Sie armseliger Vollidiot! Jede neue Wahlschlappe rechnet und redet Ihr euch schön, an der Wirklichkeit, am Wähler vorbei – ihr dreht Euch nur noch um Euch selbst! Anstatt Opposition zu machen, befindet ihr euch abgehoben in einer erdnahen Umlaufbahn, die Schwerkraft und andere Naturgesetze verhöhnend! Viel Spaß bei der Landung – ihr seid nicht mehr als “high speed dirt”! Das bringt mich zu Euch!

Jetzt wendet sich der Bürger dem Gast FDP zu.

BÜRGER: Ihr seid die lebenden Toten im Parlament! Seit es euch gibt kippt ihr um, Hauptsache ihr bleibt an der Macht! Bestechlich, opportunistisch, arrogant, und dann seht Ihr auch noch scheiße aus!

Der Bürger sieht in die Kamera, deren Licht gerade leuchtet.

BÜRGER: Ihr seid noch auf mir drauf und habt das Mikrofon nicht abgewürgt, oder? Hallo, Bildregie, sagen Sie der Kamera… 3, dem Kameramann an der 3 er möge die Kamera tilten, oder schwenken, je nachdem.

Die Kamera macht eine nickende Geste.

BÜRGER (in die Kamera): Das dachte ich mir… Sehen Sie, liebe Zuschauer daheim an den Geräten – das sind Handwerker, die ihren Job verstehen. Ganz im Gegensatz zu dieser Runde hier! Sie sehen und hören mich noch, weil ich gerade für einen Skandal Sorge, und nur deshalb werde ich nicht unterbrochen. Würde die Sendung aufgezeichnet, wie jede andere Sendung, würde man diesen Teil heraus schneiden, und außer dem Publikum im Studio wüsste niemand davon!

Er wendet sich an das Studiopublikum.

BÜRGER: Warum macht ihr das nicht mal publik, was alles nicht gesendet wird, wo die Sendung die Zuschauer manipuliert, wie ihr angestachelt werdet, euch instrumentalisieren lasst, auf Kommando applaudiert, dabei habt ihr sogar für euren Sitzplatz selber gezahlt, nicht umgekehrt! Wie blöd kann man eigentlich noch sein?

Der Bürger wendet sich wieder der Kamera zu und zieht ein paar Geldscheine aus seiner Tasche.

BÜRGER: Das ist das Honorar, das man mir nach der Sendung überweisen wird, oder vielleicht auch nicht, wer weiß – ich habe es vorsorglich von meinem Konto abgehoben und bezahle damit diesen Kameramann, der mich die ganze Zeit im Bild hat. Ich will von dieser dreckigen Propagandaknete nichts haben! Hast du dieses oder letztes Jahr eine Gehaltserhöhung bekommen?

Die Kamera macht eine verneinende Bewegung.

BÜRGER: Oder ihr da oben in der Bildregie?

Nach kurzem Zögern wieder eine Seitwärtsbewegung der Kamera, einmal kurz nach Links, dann nach Rechts und zurück in die Mitte.

BÜRGER: Das habe ich mir gedacht – das hier ist für Euch!

Er reicht dem Mann hinter der Kamera das Geld, der nicht weiß wohin damit. Der Kamerakran hat die Szene gut im Bild.

BÜRGER: Und wie ist es mit Ihnen, Herr Bauch?

BAUCH: Bitte? Das ist meine Sendung!

BÜRGER: Ja? Machen Sie denn alles alleine? Wischen Sie hinterher auch das Studio mal durch und wechseln Glühbirnen durch Energiesparlampen aus?

BAUCH: Ich…

BÜRGER: Ihre eigene Produktionsfirma steht hinter der Sendung, und als Moderator werden Sie ebenfalls bezahlt – darf ich mal Fragen wie viel Sie eigentlich pro Sendung netto oder brutto einnehmen? Ehrlich gesagt will ich das gar nicht wissen, und Sie verdienen schon so lange solche Summen, dass Sie sie ohnehin nicht mehr begreifen! Sie widern mich an, und wissen Sie warum? Weil Sie es sogar mal wert waren. Damals vor 25 Jahren im Radio. Da haben Sie Gespräche geführt – können Sie sich noch daran erinnern, wie das war?

BAUCH: J… ja.

BÜRGER: Lügner! Sie sacken das Geld ein, und beherrschen Ihren Job nicht, genauso wenig wie all die anderen giftigen Energiesparlampen unter ihren Moderatorenkollegen! Vielleicht mit Ausnahme von Roche und Böhmermann, aber nur weil die selber zugeben Scheiße zu sein und es leider gar nicht besser können! Immerhin versuchen Sie es! Selbst Helge Schneider wird es aus dem Stand besser machen als Sie gekaufte Matschbirne! Sie gehören ausgewechselt! Durch LEDs mit höchstens 4 Watt Verbrauch! Wenn von den Gästen keiner in der Lage ist auf einfachste Fragen zu antworten, schmeißen Sie ihn doch mal raus! Oder spätestens dann wenn Sie anderen ins Wort fallen, wie dem linken Piraten!

LINKRAT: Oh, vielen Dank, ich…

BÜRGER: Ich war noch nicht fertig!

LINKRAT: Entschuldigung.

BÜRGER: Genau das meine ich! Ihr seid so brav, verhaltet euch überkorrekt, weil ihr unter doppelter Beobachtung steht, sogar vom Verfassungsschutz, für deren Kontrolle ihr angeblich mit zuständig seid! Ja wo leben wir denn? Ihr haltet als einzige im Bundestag vertretende Partei zum Grundgesetz bzw. setzt euch für mehr direkte Demokratie ein – und bezieht dafür von allen Seiten Prügel, den alten Parteien und den Medien, weil Sie allesamt wissen, dass ihr ernst meint, was ihr sagt! Es reicht völlig aus einmal zusammenhangslos auf rote Socken, Kommunisten oder einen Quartalsdeppen in eurer Partei hin zu weisen, und niemand nimmt euch mehr ernst, obwohl es bei den anderen noch schlimmer zugeht!

Der linke Pirat nickt und lächelt.

BÜRGER: Nichts begreifst du! Wieso lässt du dich hier so vorführen? Guck doch mal was dieser angebliche Journalist so schreibt!

Otto Normalverbraucher deutet auf den rechten Publizist.

BÜRGER: Seht ihn euch an, diesen selbstgefälligen Arsch, der von neutraler Berichterstattung so weit entfernt ist, wie Tatooine vom hellen Zentrum der Galaxis! Jaaa, eine Star Wars Referenz, das musste sein, schließlich ist das hier eine Unterhaltungssendung! Sonst schaltet irgendwer womöglich um! Umschalten ist verboten, also muß alles zu Unterhaltung aufgebauscht werden! Unterhaltung, nicht Informationen oder Denkanstoß, nein! Ich bin nur eine Zirkusnummer, die dafür sorgt das nächste Woche die Einschaltquote steigt, weil alle über diese Sendung schreiben werden, nur nächstes Mal ist dann alles beim Alten, und von dem was ich gerade sage wird nichts wesentliches in den Medien verbreitet, nur der “Skandal” an sich, weil sich mal einer nicht an die Regeln gehalten hat! Es bräuchte aber jede Woche einen wie mich, aber in jeder Sendung! Ob es mir passt oder nicht, ich bin nur ein Rädchen in diesem System, und egal was ich mache, ich stütze es auch noch! Nur gemeinsam, in der demokratischen, aufgeklärten Masse haben wir eine Chance!

Jemand im Publikum steht auf.

BÜRGER: Was ist denn?

Ein Studiomitarbeiter läuft mit einem Mikrofon zu ihm hin.

MENSCH IM PUBLIKUM: Was denken Sie denn nun eigentlich über das Thema der Sendung?

Otto Normalbürger wendet sich wieder der Kamera zu.

BÜRGER: Da haben Sie’s! Nix kapiert. Gar nichts!

Er wendet sich zu dem Mensch im Publikum.

BÜRGER: Du sollst selber denken, dich selber schlau machen, und nicht leeren Worthülsen von dummen Pappnasen zuhören, die für nichts anderes bezahlt werden! Nutze deine Zeit für was besseres, als diesen Deppen deine wertvolle Zeit zu opfern, in denen du dich engagieren könntest!

MENSCH IM PUBLIKUM: Aber wofür denn?

BÜRGER: Scheißegal, so lange es dich interessiert!!

MENSCH IM PUBLIKUM: Was sollte mich denn zuerst interessieren?

BÜRGER: Duuu selbst!!!!

MENSCH IM PUBLIKUM: Wie geht das?

BÜRGER: Indem du es mal selbst mit dir allein aushältst, ohne Smartphone, nur du und dein Kopf! Und dann halt endlich die Fresse bis du was beizutragen hast!! Schluss mit dieser ins Leere führenden Fragerei!

Es knistert und knackst plötzlich aus einem Lautsprecher.

REGIE: Die Sendezeit ist um, die Abmoderation bitte.

Man sieht den engagiert Bürger weiter sprechen, hört aber nicht mehr was er sagt. Eine Kamera schwenkt auf Tommy Bauch zu, der langsam seinen Blick hebt. Er sieht nachdenklich aus.

BAUCH: Ungewöhnlich… aber das muss eine Demokratie aushalten können. Schön, das wir mal so offen darüber gesprochen haben. Denn “Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden”, nicht wahr? Sie können sich sicher sein, ich werde das mit meinen Gästen vertiefen und von Experten weiter verfolgen lassen. Nach der Werbung schalten wir um zu unserem Kollegen Brecht in sein frisch bezogenes LSD Studio. Heute zu dem Thema “E3-C4 – Springer schlägt Dame”. Gute Nacht!

Abblende.

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