Drei auf einen Streich (2) – Filmbesprechungen

Zweite Ausgabe meiner auf moviepilot verfassten Kurzbesprechungen von mal mehr, und mal weniger sehenswerten Filmen:

PHASE IV (1974), Saul Bass

PHASE IV (1974)

Schon lange auf der Liste gehabt, endlich den richtigen Abend gefunden, und dann… Ernüchterung (trotz Gerstensaft) – was hätte das für ein brillanter Film sein können! Ich meine: Saul Bass! Ameisen! Und dann doch „nur“ ein B-Movie? Muss ja nicht schlecht sein, und ich liebe die New Hollywood Ära. Aber der Film hat bei mir nicht gezündet. Die Idee ist brillant, aber wird meines Erachtens verschenkt. Die Insektenaufnahmen sind fantastisch, die mit den Darstellern sind es nicht. Szenen wie jene mit der Gottesanbeterin sind fantastisch, andere, gerade jene mit den Menschen lassen mich kalt. Mit Ausnahme jener, wo es zu dem Intelligenz-Test zwischen den Spezies kommt – da bricht wohl auch der Grafiker im Regisseur durch :) Punkt, Komma, Strich – äh, Quadrat, Kreis, Punkt – fertig ist das Rätsel. Klasse. Aber leider zu wenig davon.

PHASE IV ist wie ein Vorläufer von Frank Schätzings „Der Schwarm“, nur eben mit Ameisen, und schreit geradezu nach einem Remake, dass das volle Potential des Plots ausschöpft und zu einer Story verknotet. Zum Beispiel von Jeff Nichols – das wär doch was.

WALKABOUT (1971), Nicolas Roeg

WALKABOUT (1971)

Als Kind oder Jugendlicher schon mal gesehen, und vergessen geglaubt – jetzt aufgrund vieler Bilder wieder ins Gedächtnis gerufen und richtig zugeordnet (ich glaubte sie gehörten zu Peter Weir’s PICKNICK AM VALENTINSTAG, dabei kommen dort gar keine Aborigines vor :)

Vom der ersten Sequenz an hauen einen die fantastischen Bilder um, allein hierfür vergebe ich 11 meiner 9 Punkte Bewertung. Roeg lässt nichts anbrennen (hi hi) und zieht alle Register von cleveren Bildkompositionen (rauchende Steinhügel) über Zoomfahrten bis hin zu Einstellungen zum damit Wände tapezieren. All das im Dienst eines eher meditativen Tripps (und hier stimme ich ’nerdkiller‘ zu: von der Atmosphäre ist hier eine Nähe zu STALKER spürbar, wenn man Wasser durch Sonne ersetzt) aus der Sicht der jugendlichen Unschuld. Ein weiterer Film fällt mir dabei ein, dessen Einhaltung des naiv-kindlichen Blicks ebenso konsequent ist: TIDELAND von Terry Gilliam.

Hier ’spielen‘ drei Kinder Mutter, Vater, Kind im Outback, und Roeg lässt die Bilder roh und hingeworfen für den Zuschauer herum liegen, der sich selbst daraus eine Geschichte zusammen bauen kann, oder es bleiben lässt. Insofern kann ich verstehen, dass der Film manche kalt lässt, weil er einen nicht bei der Hand nimmt und Konflikte ausformuliert, sondern uns genauso hilflos in seinen Film schmeißt, wie die drei Kinder im Film. Form und Inhalt sind selten so eins geworden wie hier, was auch der Montage zu verdanken ist, die keine Kompromisse eingeht. Der Schnitt ist schnell (besonders die Exposition), bisweilen chaotisch überraschend (Flashbacks! Ausschnittsvergrößerung! Standbilder!) aber immer eins: emotional. So viel Mut im Schnitt habe ich lange nicht mehr gesehen – aber von Roeg stammt ja auch die beste Montage einer Sexszene in WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN, dem Film, mit dem er selbst als Regisseur erwachsen geworden ist, und die Unschuld seines Filmemacher-Daseins verloren hat.

Ganz toller Film, und wenn es nur für die emotionale Wucht des einen Wortes (‚water‘) ist, in dem sich die ganze bittere Enttäuschung über das Erwachsen werden konzentriert. Ein Tropfen Wasser der Jugend in der Wüste der Erwachsenen.

KILLER JOE (2011), William Friedkin

KILLER JOE (2011)

„Your eyes hurt.“ (Dottie)

Nach BUG schon William Friedkin’s zweite Adaption eines Stücks von Tracy Letts – eine dritte Verfilmung ist schon im Kasten, nur leider mit jemand anderem auf dem Regiestuhl (John Wells, der sich wohl mit der US Version der Serie SHAMELESS empfohlen hat). Das ist vermutlich schade, da mir bestimmt die lieb gewonnene Kompromißlosigkeit von Friedkins Inszenierung fehlen wird.

Auch bei diesem Film wird in die Irre geleitet, wer ihn sich aufgrund des Trailers angesehen hat. Die porträtierte Familie ist übelster White Trash, und man mag gar nicht an ihrem Leben Teil haben, genauso wie zunächst Matthew McConaughey (der hier als „Killer Joe“ eine schauspielerische Leistung zeigt, die ich ihm gar nicht zugetraut hätte), der angeheuert wird, um alle Probleme der Smiths auf einen Streich zu lösen. Überhaupt ist die Ensemble-Leistung (wie schon in BUG) überwältigend. Regelrecht lieb gewonnen habe ich im Verlauf des Films Thomas Haden Church in seiner Darstellung des überforderten Vaters mit IQ auf Zimmertemperatur.

Wer bitterböse Kammerspiele mag, wird mit diesem Film warm werden. Aber es werden einem nach dem Ansehen nicht nur die Augen weh tun, denn ein „humorvoller Gewaltporno“ ist KILLER JOE ganz bestimmt nicht.

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Wer noch nicht genug hat kann hier weiter stöbern, oder auf die nächste Auswahl auf dem Blog warten.

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