Wie aus Obi-Wan Kenobi Darth Vader wurde (1)

Ab sofort lade ich euch dazu ein bei der Entstehung eines STAR-WARS-Mockup-Trailers dabei zu sein, der es sich zum Ziel gesetzt hat die wahre Geschichte von Darth Vader zu erzählen, in der es Anakin Skywalker nie gegeben hat…

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Obi-Wan macht den Vader

Wie in den Kommentaren unter dem ersten Artikel dieser Reihe angedroht möchte ich euch heute in die Geheimnisse des Filmschnitts einweihen, die ihn aus seinem Schattendasein ans Licht zerren. Denn Filmschnitt ist mitnichten nur das Aneinanderreihen der Szenen anhand des Drehbuchs, und ta-daaa! Fertig ist der Film. Die gibt es auch, und leider sieht man es diesen oft seelenlosen Filmen an, dass sie so uninspiriert entstanden sind. Das kann jeder, der sich das grundlegende Handwerkszeug aneignet und ein paar Jahre übt. Damit eine Szene rhythmisch wird, sich fließend ansehen lässt, auf den Beat schneiden – das ist kein Kunststück sondern Handwerk. Die wahre Magie des Schnitts blüht da auf wo er einem zeigt, dass in dem Rohmaterial eines Films noch ganz andere Erzählmöglichkeiten verborgen liegen, von denen weder der Drehbuchautor noch die Regisseurin je bewußt etwas geahnt haben. Diese alternativen Filmversionen zu erkennen und den Autoren des Films als Arbeitsmaterial zur Verfügung zu stellen ist die Königsdisziplin eines jeden Schnittmeisters. Diese Schätze gilt es zu heben und vielleicht zu ihrem Recht kommen zu lassen. Vor allem wenn sie spannender sind als die im Drehbuch angelegte Geschichte.

Was unser w.rite club für die Drehbucharbeit macht, soll diese Serie nun für den Filmschnitt leisten. Ebenso wie dort stelle ich hier das Material bzw. die Idee dazu zur Verfügung – nicht umsonst habe ich dafür etwas ausgewählt, das bei den meisten von euch im DVD-Regal steht, nämlich die Star Wars Trilogie. Na gut, beide. Anhand einer konkreten Idee begleite ich euch durch die Abschnitte von der Idee über die Materialsichtung, den Rohschnitt, Feinschnitt bis hin zur Verbreitung.

Die Idee

Als Liebhaber der ältesten STAR WARS – Trilogie konnte ich den Prequels immer weniger abgewinnen, was darin gipfelte mir in einem Artikel auf meinem “echten” Blog Luft zu machen, und in dem ich genau die Idee formulierte derer ich mich mit oder ohne eurer Hilfe annehmen möchte: Star Wars, oder der Krieg der Kastraten.

STAR WARS könnte man nämlich ohne große Mühen so erzählen, dass es Anakin Skywalker nie gegeben hat, sondern das Ben-Kenobi der Vater von Luke und Leia ist, und in Wahrheit hinter der Maske von Darth Vader steckt. Ausgelöst durch das Trauma des Verlustes von Qui-Gon kommt es zu einer Persönlichkeitsspaltung von Obi-Wan, er schwängert Padmé, belügt Luke und, und, und… ihr habt schon verstanden. Einige Szenen erscheinen angesichts dieser Prämisse wesentlich plausibler als im Original, weitere in einem anderen, völlig neuem Licht – denkt mal an diese Bilder:

– Der Junge dem Qui-Gon in Episode I begegnet ist in Wahrheit Obi-Wan. Dann erst springen wir in der Zeit vorwärts, wenn er erwachsener ist. Dann kommt das Trauma durch den Tod seines Mentors. So wie er Darth Maul entzwei schlägt, teilt sich auch seine Persönlichkeit in Gut und Böse.
– Anakin springt in Episode II aus dem Speeder, Kenobi bleibt darin allein zurück und spricht “Ich hasse es, wenn er das tut.” – Sein Alter Ego hat ihn allein gelassen.
– Wenig später in der Bar: “Du willst nach Hause gehen und dein Leben überdenken.” – Ebenfalls ein Selbstgespräch.
– Wenn Kenobi den jungen Luke zu Onkel und Tante auf Tatooine bringt, kommt er deswegen nicht als Darth Vader dorthin zurück (gäbe es Anakin wirklich, hätte er sonst bestimmt früher mal wieder dort vorbei geguckt)
– Der alte Ben in Episode IV belügt seinen eigenen Sohn, usw.

Ihr merkt es vielleicht schon, wenn man erst einmal so anfängt, dann finden sich immer mehr Szenen, die diese Theorie unterstützen. In der nächsten Ausgabe präsentiere ich euch dann das ausgewählte Rohmaterial, wie ich es in einem Schnittprogramm organisiere und warum so und nicht anders. Ihr könnt mir aber auch gerne Szenen die euch in den Kopf kommen in die Kommentare posten, dann nehme ich sie beim nächsten Mal mit auf.

Die Form

Wie könnte nun so ein Trailer aussehen? Ich gebe euch mal ein Beispiel:


(Mehr über die Ferris Bueller Fight Club Theory könnt ihr hier lesen)

Der obige Ferris-Clip ist insofern eine gute Orientierung, weil er die beiden Filme sehr gekonnt miteinander kombiniert. Die Theorie zu FERRIS MACHT BLAU ist gut, das ausgewählte Material stützt die These, der Look, Schrifttyp und die Musik aus FIGHT CLUB tun ihr übriges. Nur ist er für einen “echten” Trailer zu lang, und funktioniert nicht für sich selbst – oder würde jemand den Film ansehen wollen, wenn er so beworben wird? Ich bezweifle das.

Die klassische Trailerlänge ist um die 2:30, und sich eine zeitliche Begrenzung zu setzen ist nicht nur vernünftig, sondern beflügelt auch die Phantasie. Man zwängt sich in ein Korsett, kriegt zwar keine Luft mehr, sieht dafür aber gut darin aus. Na, so ungefähr, oder stellt euch vor die Jeans anzuziehen, in der ihr mit 18 so klasse ausgesehen habt. Ohne Anstrengung kriegt man sich nicht darin unter, und der Druck Material aussortieren zu müssen hat noch nie einem Filmprojekt geschadet – ganz im Gegenteil. Also orientieren wir uns lieber an einem Original STAR WARS Trailer. An diesem hier zum Beispiel:

Das sieht doch schon deutlich besser aus. Was mir an diesem Trailer sehr gut gefällt ist, das er abgesehen von wenigen Texttafeln allein mit Bild und Tonmaterial aus dem Film auskommt, sich also auf das Wesentliche beschränkt, und sich nicht auf Biegen und Brechen daran versucht ihm auch noch eine andere Ästhetik überzustülpen. Das macht dieser Lego-Trailer besser :)

Verrät man schon die ganze Geschichte, oder lässt man dem Zuschauer noch Raum für eigene Assoziationen, kaum dass man ihnen den richtigen Floh ins Ohr gesetzt hat?

Darüber wird noch zu diskutieren sein, mein Vorschlag ist das Originalmaterial so sehr für sich selbst sprechen zu lassen wie möglich. Die Special-Club-Edition, wie sie schon immer konzipiert war, in der Luke im abgeschlagenen Helm von Darth Vader nicht sein eigenes Gesicht, sondern das von Ben Kenobi sieht, überlassen wir dann George “Nooooooooo!” Lucas selbst.

Der Plan

Hier geht es nur darum sich eine Deadline zu setzen, um sich möglichst rechtzeitig daran zu gewöhnen, dass man nicht mit allem ewig im Keller herumwerkeln sollte, sondern sich irgendwann damit öffentlich zeigen muss.

Der Starttermin für STAR WARS VII ist der 18. Dezember 2015 – dann kommt unser Video exakt ein Jahr und einen Tag vorher online, also am 17. Dezember 2014. Das ist nicht ganz so willkürlich, und außerdem darf man an dem Tag mit dem ersten Teaser des Teasertrailers rechnen, der erstaunlich wenig Material zu bieten haben wird – da ist es doch toll für Fans bei der Gelegenheit über unser kleines Werk zu stolpern.

Moment, Moment – bevor ihr euch verdrückt: Welche anderen abstrusen Ideen harren noch ihrer Umsetzung? Teilt sie mit uns, und dann machen wir uns ans Werk. Ballert eure Ideen in die Kommentare und los geht’s!

Euer Schnittchen jp@movies

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Crosspost von moviepilot

Über Jens Prausnitz

Filmemacher, Vater, Ehemann. In Deutschland geboren, in Polen wohnhaft, in Europa zuhause.
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